Eine schwierige Person, dieser Karl Kraus, konzediert Lothar Müller, und daher als Gegenstand einer Biografie auch nicht so einfach. Das Werk jedenfalls müsse bei diesem Mann mitbedacht werden - und werde es in diesem Buch auch auf höchst befriedigende Weise, findet der Kritiker. Kraus wird von diesem Autor, der ein "nachgeborener Kraus-Anhänger" sei, gezeigt als großer Widersacher nicht nur seiner "Feinde", sondern auch seiner selbst. Nicht leicht zu fallen scheine es dem Autor, sich von Kraus zu distanzieren, aber bei dessen Verdikt gegen Heinrich Heine sei solch ein Punkt erreicht. Weniger deutlich fällt die Distanzierung des Biografen aus, wenn es um den Antijudaismus von Kraus geht und seine radikale Forderung nach Assimilation. Dass er zu Hitler geschwiegen habe, dieses Urteil über Kraus korrigiert der Biograf allerdings durch seinen Blick auf einen frühen, erst spät vollständig publizierten Essay. So ist Müller zwar beeindruckt, kommt aber nicht wirklich zu einem klaren oder positiven Urteil.