Man meint, die Geschichte bereits zu kennen, die Monika Zeiner in ihrem neuen Roman erzählt, meint Rezensent Rainer Moritz, und doch gelingt es der Autorin, ihr neue Facetten abzugewinnen. Das umfangreiche Buch erzählt, lernen wir, von einer fränkischen Unternehmerdynastie. Seinen Ausgangspunkt nimmt es, wenn eines ihrer Mitglieder, Nikolas Finck, nach Jahrzehnten wieder zur Familie zurückkehrt - Nikolas ist, erläutert Moritz nach der Lektüre, ein Außenseiter der Familie und jetzt macht er sich daran, ihre oft unrühmliche Geschichte aufzurollen. Die führt zurück ins 19. Jahrhundert, erzählt Moritz nach, als der Grundstein gelegt wird für eine Schulmöbelfabrik. Im Folgenden hängen die Fincks stets ihr Fähnchen in den Wind, unter anderem auch dann, wenn sie im Dritten Reich bei der Enteignung jüdischen Besitzes mitmischen. Das alles meint man bereits zur Genüge zu kennen, gesteht Moritz ein, aber Zeiner gelingt es doch, diese Geschichte mithilfe starker motivischer Stränge zu neuem Leben zu erwecken, etwa wenn Tropenhelme, die berüchtigte Odenwaldschule oder auch diverse literarische Verweise in der Erzählung auftauchen. Ein Buch, das zeigt, dass manche Geschichten eben doch noch nicht auserzählt sind, urteilt der beeindruckte Rezensent abschließend.