Dass Joy Williams' Erzählbände im deutschsprachigen Raum dreißig Jahre lang mehr oder weniger unbeachtet geblieben sind, ist ein großes Versäumnis, meint Rezensent Frank Schäfer - ein Versäumnis, das es mit "Stories" nun nachzuholen gilt. Denn hier schreibt eine "große Erzählerin". Mit Verwunderung blickt sie auf die Welt, so Schäfer, auf das, was Menschen einander und sich selbst aufbürden - eine Verwunderung, die ihren scharfen Blick für scheinbar unbedeutende Details begründet, in welchen sich jedoch nach und nach die Absurdität dessen zeigt, was wir auf den ersten Blick für normal halten könnten. Dieser Absurdität haftet nicht selten auch etwas latent Komisches an, was Williams stilistisch wunderbar einzufangen weiß, lesen wir. Am besten lässt sich die besondere Qualität und Stimmung ihrer Erzählungen wohl beschreiben, wenn man sie mit der einen Story im Band abgleicht, welche in Stil und Qualität aus der Sammlung heraus- und abfällt. Während "Kongress" offensichtlich einer Traumlogik folgt und den Horror explizit macht, bedürfen die anderen Geschichten des Abgleitens ins Fantastische gar nicht. Sie offenbaren das Albtraumhafte im Wirklichen und Alltäglichen, so der begeisterte Rezensent.