Schon den Titel "Schwebende Lasten", entlehnt aus der "Sprache des Arbeitsschutzes", findet Rezensent Marc Reichwein super und den so benannten Roman von Annett Gröschner ebenfalls: Er spielt in Magdeburg, im Zentrum steht Hanna Krause, eine Arbeiterfrau, die von 1913 bis 1992 gelebt und alle Verirrungen des 20. Jahrhunderts mitgemacht hat. Die sechs Kinder und den invaliden Ehemann bringe sie mit ihrer Arbeit als Kranführerin im Stahlwerk durch, doch eigentlich sei sie im Herzen immer Floristin geblieben, ihr gelernter Beruf. Eine Szene ist Reichwein da besonders in Erinnerung geblieben: Ein mysteriöser Kunde bestellt bei Hanna einen Blumenstrauß, der so aussieht wie auf einem Gemälde von Ambrosius Bosschaert, was schon deshalb schwierig ist, weil die Blumen darin alle zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Für die Protagonistin sei dieser Mann wie ein Fenster in ein anderes, kultivierteres Leben gewesen. Reichwein lobt vor allem auch die "Tiefenschärfe", die Gröschners Roman von anderen Büchern über die Frauenschicksale des 20. Jahrhunderts abhebt; ihre genauen Beobachtungen vermitteln ihm ein Gefühl davon, wie akribisch sie recherchiert haben muss.