Eine erstaunliche, wichtige Hannah-Arendt-Biografie legt Thomas Meyer hier vor, so Rezensent Peter Neumann, und zwar, weil der Autor das politische Handeln der Philosophin ins Zentrum stellt. Akribisch hat Meyer laut Rezensent vor allem die frühen Jahre des Pariser Exils recherchiert und stellt dar, was vorher höchstens bruchstückhaft bekannt war: Arendts Unterstützung jüdischer Flüchtlinge, die Hunderten die Reise nach Palästina ermöglichte. Dabei erwies sie sich, so Neumann nach Meyer, schnell als Medienprofi, und ließ ihre wissenschaftliche Arbeit zunächst ruhen. Dass Arendts Schreiben von Erlebtem geprägt ist, ist zwar bekannt, erläutert Neumann, aber Meyer zeigt ihm, dass etwa die Totalitarismusanalyse direkt aus der politischen Praxis heraus entstanden ist. Auch in der Nachkriegszeit blieb Arendt politisch aktiv und stets um die jüdische Sache, insbesondere um jüdische Selbstbestimmung bemüht. Nur Spezialisten werden alle Details nachvollziehen können, die Meyer hier präsentiert, resümiert Neumann, aber dennoch gelinge dem Autor ein völlig neuer Blick auf Arendts Leben.