Reinstes Leseglück beschert dem Rezensenten Martin Oehlen diese Anthologie spanischsprachiger Lyrik, die er in Umfang, Klugheit und Sorgfalt unvergleichlich findet. Herausgeber Martin von Koppenfels versammelt darin mehr als achthundert Gedichte, von den arabischen Anfängen der höfischen Dichtkunst in Andalusien über die sich aneinanderreihenden Goldenen Zeitalter der Renaissance und des Barock bis zu den Glanzzeiten der Moderne und der Postmoderne: Von Alfons dem Weisen, über Teresa von Avila, Cervantes, José Martí, Pablo Neruda, Jorge Luis Borges, Federico García Lorca, Pablo Neruda und Octavio Paz. Gewaltige Lücken werden hier geschlossen, versichert der Rezensent und spart auch nicht mit Lob für die Übersetzungen, denen er anmerkt, dass hier Formbewusstsein vor freiem Nachempfinden rangiert. Koppenfels These, dass die spanischsprachigen Kulturen poetische seien, kann Oehlen da gar nicht widersprechen. Er lässt sich überwältigem von diesem "Rausch durch die Zeiten" und selig das Füllhorn spanischer Poesie über sich ergießen.