Den Autor hält der Rezensent nicht nur für einen großen Dialektiker, das Buch nicht nur für einen Meilenstein der Freud-Rezeption. Was Rezensent Burkhard Müller da in Händen hält und was mit 250 Seiten nicht einmal allzu schwer wiegt, kommt ihm vor wie eine anthropologische Synthese aus dem Denken Platons, Kants und Freuds. Geht's nicht eine Nummer kleiner? Geht es nicht, muss es auch nicht, meint Müller. Ihm zufolge nämlich gelingt Christoph Türcke die Meisterleistung, mittels sachlicher Eleganz, temperamentvoll wie kontrolliert die Kunst der Spekulation zu betreiben. Die drei Großkapitel "Traum", "Trieb", "Wort" türmen sich vor Müllers Augen zu einer allgemeinen Kulturtheorie von "ungewöhnlicher Gedankendichte" und mit einer schier unüberschaubaren Fülle an Entdeckungen für den Leser. So stößt Müller auf eine komplette Theorie der Sprachentstehung, sowie auf eine schlüssige Antwort auf die Frage, warum es den Freudschen Todestrieb nicht geben kann. Das ist Freud, genuin weitergedacht beziehungsweise überwunden, staunt Müller. Manchem, warnt der hoch begeisterte Rezensent, wird das als Zumutung erscheinen.