Rezensentin Sonja Zekri begreift den Künstler Ai Weiwei nach einer Vorstellung seiner Autobiografie im Gespräch mit Daniel Kehlmann am Berliner Ensemble besser und die Kritik an ihm weniger. Neben dem Schlüsselereignis für Ais Künstlerdasein, die Verbrennung der Bibliothek seines Vaters zum Schutz vor Maos Roten Garden, lernt die Rezensentin vor allem aus der grausamen Kindheit des Künstlers im Gulag, nachdem er und sein Vater nach Xinjiang verbannt wurden. Von einem Erdloch als Zuhause, in das "manchmal ein Schwein fällt", ist die Rede, und von seinem Vater, der die wegzuputzenden gefrorenen Fäkalien begutachtet wie eine "Skulptur von Rodin", zitiert Zekri. Dass Ai "Trittbrettfahrerei" und Koketterie vorgeworfen wurde, als er das Flüchtlingslager auf Lesbos besuchte, scheint ihr vor diesem Hintergrund abstrus - gerade neben einem so "offensiv naiven" und auch sehr westeuropäischen Kehlmann, der "Golf" versteht, wenn Weiwei "Go" sagt.