Rezensentin Miriam Zeh ist so wenig überrascht wie begeistert von Takis Würgers neuem Kriminalroman. "Unschuld" folgt in jeder Hinsicht den Regeln des Genres und liefert seinen Leserinnen und Lesern genau das, was sie erwarten: Ein zu Unrecht beschuldigter Vater, eine Tochter, die ihn vor der Todesstrafe retten will, ein reicher Bösewicht, Tod, Geld und Gewalt. Und alles natürlich hübsch ordentlich sortiert in Richtig und Falsch. Das Nachwort allerdings sei in gewisserweise "bemerkenswert", aus einer literaturwissenschaftlichen Perspektive. Hier erst gibt der Autor, so Zeh, seinem Roman die entscheidende Zutat für den Erfolg bei: Relevanz. Und zwar, indem er einige effektvolle Fakten zu relevanten Themen wie Krankheit, Medikamentenabhängigkeit und Waffen aufzählt. Indem Würger einen Bezug zwischen der Romanhandlung und aktuellen Diskursen herstellt, den die Story allein nicht hergegeben hätte, erklärt die Rezensentin, gibt er den Lesenden den befriedigenden Eindruck, sie hätten gerade an einer gesellschaftlichen Debatte teilgenommen, statt Unterhaltungsliteratur zu konsumieren. Das gleiche Rezept wendet übrigens auch der Bestsellerautor Sebastian Fitzek an, bemerkt die Rezensentin trocken.