Im Jugoslawienkrieg muss der kindliche Erzähler von Tijan Silas neuem Roman unnatürlich früh erwachsen werden, erfahren wir von Rezensent Paul Jandl. Der junge Protagonist wächst in Sarajevo auf und ist etwa elf Jahre alt, als der Krieg ausbricht und die "große Apokalypse des Lärms" losgeht, die Sila, Jandl zu Folge, eindrucksvoll verdeutlicht. Der Kampf ums Überleben sorgt dafür, dass das Kind das Weinen verlernt, seine einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Radio, dessen unterschiedliche Frequenzen auch den Text in seiner Fragmentiertheit, seinem Fokus auf Impressionen, zu bestimmen scheinen, bemerkt Jandl. Er weiß, dass es manchmal heikel ist, wenn ein Autor die Perspektive eines Kindes einnimmt, um über einen selbst erlebten Krieg zu schreiben, hier gelingt es aber - durch kluges und unmittelbares Erzählen, lobt der Kritiker.