Den Erfahrungen der Tieren nahe kommen, ohne die Distanz zu leugnen, die sie vom Menschen trennt: Das gelingt diesem Roman insgesamt ziemlich gut, findet Rezensent Josef Oehrlein. Die Kolumbianerin María Ospina Pizano erzählt aus Tierperspektive von Tierschicksalen, die, beschreibt Oehrlein, mit menschlichem Handeln zu tun haben. Zu den tierischen Protagonisten zählen laut Rezensent Straßenkatzen, Käfer im städtischen Betonmeer, Vögel und, das ist für Oehrlein die stärkste Episode, ein Stachelschwein, das von einem Menschen aus dem Bauch der Mutter herausgeschnitten und aufgepäppelt wird. Die Gefühle der Tiere, die aus ihrer natürlichen Umgebung herausgerissen werden, stehen dabei im Zentrum, lernen wir, auch die spezifischen Verhältnisse in der Heimat der Autorin, die blutigen Kämpfe in Kolumbien, spielen am Rand eine Rolle. Geschickt hält das Buch die Spannung zwischen lyrischen und beinahe akademischen Passagen, freut sich Oehrlein, der außerdem die Übersetzung Peter Kultzens lobt. Nicht ganz so glücklich scheint Oehrlein mit dem letzten Kapitel zu sein, in dem sich der Text in eine Montage aus Zitaten und Tierlauten auflöst, insgesamt fällt die Rezension jedoch klar positiv aus.