Rezensent Dirk Fuhrig schätzt den italienischen Schriftsteller Marco Balzano seit dessen Roman "Ich bleibe hier" über das Verschwinden des Dorfs Graun im Vinschgau. Ganz so glücklich wird der Kritiker mit dem neusten Roman aber nicht, dafür mangelt es ihm irgendwie an Belang. Dennoch lässt er sich gut unterhalten von den siebzehn verschiedenen Männern und Frauen, die sich auf der Mailänder Via Marghera tummeln und überwiegend First-World-Problems wälzen: So langweilt sich eine Frau mit ihrem Gatten, ein Priester leidert unter der Areligiosiät der Moderne, eine lesbische Vegetarierin ärgert sich über ihre Mutter, resümiert Fuhrig. Weder die Figuren noch die titelgebende Straßen wollen allerdings recht "leuchten", räumt der Rezensent ein. Dennoch: Witzig und präzise beschreiben kann Balzano - und so fühlt sich Fuhrig nicht unwohl mit den Stadtneurotikern, auch wenn er sie schnell wieder vergisst.