Nach Darstellung des Rezensenten Kolja Mensing klingt Martin Suters neuer Roman wie eine angenehme, aber nicht allzu abgründige Lektüre. Suter, der sich in seinen Romanen bislang vornehmlich mit Menschen beschäftigt habe, "deren Bewusstsein bestimmte krankhafte Veränderungen erleidet", widme sich hier ganz der "Pathologie des Alltags", in Form der um sich greifenden Katastrophe "einer einzigen, unvorsichtigen Lüge". Zur Geschichte: David, Suters Hauptfigur, findet in einem kürzlich erstandenen antiken Schreibtisch ein Manuskript, augenscheinlich eine Liebesgeschichte. Um Marie zu gewinnen, gibt er es ihr, mit seinem eigenen Namen geschmückt, zu lesen. Die begeisterte Marie schickt es kurzerhand einem Verlag, und es dauert nicht lange bis David als literarischer Newcomer gefeiert wird, ihm jedoch eines Tages auf einer Lesung der wahre Autor gegenübersteht und ihn um eine Widmung bittet... Ein bisschen fühlt sich der Rezensent dabei an Patricia Highsmith erinnert und deren Meisterschaft, "mit sparsamsten Mitteln das Gefüge der vielen Unwahrheiten zu beschreiben, das die Gesellschaft im Innersten zusammenhält", doch kann Suter nicht mit den bodenlosen "Abgründen" aufwarten, die sich bei Highsmith hinter solchen Unwahrheiten auftun. Trotzdem lese man "Lila, Lila" gerne und lasse sich von Suters "einfachen, beinahe altmodisch anmutenden Sätzen" in eine zunehmend "trübsinnige" Liebesgeschichte hineinziehen, die nebenbei eine "feinsinnige" Parodie auf den Literaturbetrieb liefere.