Die "Wehmut", die den Leser zum Ende dieser fünf Generationen einer jüdischen Familie umspannenden Geschichte ergreift, ist die einer nicht eingelösten Verheißung, schreibt der beeindruckte Rezensent Roman Bucheli. Denn der Roman beginnt 1871 und für die jüdische Gemeinschaft in der Schweiz scheint ein neues Zeitalter der Gleichberechtigung angebrochen zu sein. Bucheli glaubt zu spüren, wie sehr der Erzähler von einer "im Licht der Aufklärung heller werdenden Welt" erzählen möchte. Doch stattdessen sei er gezwungen, den immer deutlicher werdenden Weg in den Abgrund des Holocaust schildern. Dies tut er denn auch mit "virtuoser erzählerischer Dramaturgie", aber ohne jede Effekthascherei, lobt der Rezensent, für den der Zauber des Romans darin besteht, dass er "die Geschichte in Geschichten" erzählt und sich darauf versteht, die gesellschaftlich-politische und die familiäre Dynamik miteinander zu verquicken. Ganz besonders gefallen hat Bucheli jedoch die titelgebende Figur des Onkel Melnitz, die als Widerpart zum Erzähler fungiere und als Widergänger "das nie auszulöschende Gedächtnis an die von Verfolgung geprägte jüdische Geschichte" verkörpere. Melnitz dringt als "innere Stimme" in die Menschen ein, als Stimme der Wachsamkeit, als Stimme einer unbequemen Wahrheit, So Bucheli. Mit "Melnitz" hat Charles Lewinsky eine "großen Roman" geschrieben, gerade deshalb, weil er "der Fassungslosigkeit vor der Geschichte eine wort- und bildmächtige, eine sinnenfrohe und detailgenaue Sprache zurückgibt", resümiert der Rezensent.