Sehr intensiv setzt sich Burkhard Müller mit Hartmut Köhlers Dante-Übersetzung auseinander, deren dritten Band der Trierer Romanist kurz vor seinem Tod 2012 gerade noch abgeschlossen hat. Müller macht klar, wie unzugänglich generell "Die Göttliche Komödie" ist, und er vergleicht Köhlers Werk mit der ebenfalls kürzlich fertiggestellten Übersetzung Kurt Flaschs. Beides sind Prosaübersetzung, hält Müller fest, doch während sich Flasch im Zweifel immer für die Klarheit entscheide, wähle Köhler die Genauigkeit und in seinem Kommentaren die philologische Gründlichkeit. Mitunter möchte Müller aber Köhler den Vorzug bei den poetischen Stellen geben. Als Beispiel zitiert Müller die Übertragung der Höllentor-Inschrift. Bei Flasch heißt es nüchtern: "Durch mich geht es zur Stadt der Leiden, / Durch mich geht es zum ewigen Schmerz, / Durch mich geht es zu verlorenen Menschen." Bei Köhler: "Durch mich geht's ein zur Stadt des Jammers, durch mich geht's ein zur endlosen Qual, durch mich geht's ein zu den verlorenen Menschen." Müllers Fazit: Wahrscheinlich muss man erst Flasch gelesen haben, um Köhler verstehen und genießen zu können.