"Salopp", wie mal eben elegant aus dem Ärmel geschüttelt, so wirkt Necati Öziris "Vatermal" auf Judith von Sternburg - zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten erkennt die Rezensentin, dass es sich tatsächlich um eine sorgfältig durchdachte Erzählung handelt, die eine bedrückende und "hochdramatische" Geschichte auf erfrischend humorvolle Weise erzählt. In locker lakonischem Ton, mit brillanten Dialogen durchsetzt, berichtet der sterbende Ich-Erzähler Arda aus seinem Leben und dem seiner Familie, die seit dem Verschwinden des Vaters immer weiter auseinanderbricht. Von der Alkoholsucht der Mutter zu lesen, ihrem Versuch, "deutscher als jede Deutsche" zu sein, von seiner Schwester, die sich von ihrer Familie abgewandt hat, von Ardas Ambitionen und vom Fehlen des Vaters, der im Buch vor allem als Leerstelle erscheint, das ist erschütternd und berührend, weil es authentisch ist. Und zwar nicht, da man einige Parallelen zwischen seinem Erzähler und seinem Autor vermuten darf, betont die hingerissene Rezensentin, sondern weil dieser Roman wahrhaft Wahrhaftiges erzählt.