Zu Joseph Conrads 150. Geburtstag im letzten Dezember sind zwei neue Biografien des Autors erschienen - neben dieser noch Jonathan Stapes "Im Spiegel der See". Sie sind, wie der (kürzlich jung verstorbene) Rezensent Uwe Pralle feststellt, denkbar unterschiedlich angelegt, beide lesenswert und ergänzen sich darum bestens. Während Stape nämlich betont nüchtern die nicht sehr vielen Fakten aus Conrads Leben referiert, sei das Buch des in Leipzig lehrenden Anglisten Elmar Schenkel als essayistische Umkreisung von Leben wie Werk angelegt. So geraten die polnische Geschichte, aber ebenso die Nachwirkungen des Autors in den Blick - und vieles mehr, teilweise aus unterschiedlichen Perspektiven. Man bekomme so den Eindruck, der Verfasser schreibt das Leben in mehreren Schichten, es werde "wie Filmmaterial mehrfach" belichtet. Ins Zentrum seiner literarischen Analysen, die aber auch den politischen Aspekt von Conrads Schreiben betonen, rückt Schenkel die Erzählung "Das Herz der Finsternis", die durch Coppolas Verfilmung "Apocalypse Now" heute auch Conrads bekanntestes Werk ist. So nahe dem Autor zu kommen ist, so nahe kommt ihm, wie Pralle findet, Elmar Schenkel. Die Widersprüche aufzulösen: das könne ihm angesichts eines Autors, der sich gegen alle biografischen Zumutungen stets abgeschirmt hat, so wenig wie allen anderen gelingen.