Rezensent Hilmar Klute findet in den journalistischen Arbeiten Erich Kästners, die der Germanist und Autor Sven Hanuschek hier versammelt, dessen gewohnt "schnoddrigen" Ton vor, aber auch die selbstkritische "Frage nach der eigenen Courage". Besonders interessant sind für den Rezensent die Texte, die Kästner kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfasst hat: Sie zeigen, wie der Autor einerseits als Gebliebener mit seiner Rolle in Nazideutschland rang, andererseits darum bemüht war, in seinen Texten ein kohärentes Selbstbild aufrecht zu erhalten, so Klute. Biografische Leerstellen werden nicht zwangsläufig gefüllt, doch es wird ersichtlich wie intensiv Kästner sich nach der eigenen Schuld befragte. Gebannt liest der Kritiker Kästners Reportage über die Nürnberger-Prozesse, in der der Autor die Angeklagten, aber auch die eingeladenen internationalen Beobachter mit geradezu filmischer Genauigkeit beschreibt und die "Psychopathologien" der Verbrecher besser einfängt als jede Dokumentation.