Rezensentin Nadine A. Brügger führt ein langes Gespräch mit der israelischen Autorin Ayelet Gundar-Goshen anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Romans: Es geht viel um die Arbeit der Autorin, die als Psychotherapeutin mit den Folgen des 07. Oktobers zu tun hat, aber auch um die eigene Angst, die sie seit frühester Kindheit ausgebildet hat, als Folge der Traumata ihrer Familie, Holocaust-Überlebende aus Europa. Gewohnt schonungslos widmet sie sich auch in diesem neuen Roman der Ambivalenz der Gefühle, wie Brügger berichtet: Die Handlung setzt mit einer israelischen Frau ein, die einen arabischen Handwerker empfängt, und zwischen Angst vor einer möglichen Bedrohung und Selbstkritik wegen ihrer Vorverurteilung des Mannes hin- und herschwankt. Lauter falsche Entscheidungen und Abzweigungen folgen daraufhin, erzählt uns die Kritikerin, die von Gundar-Goshens Fähigkeit begeistert ist, das zutiefst Menschliche im Unverständlichen aufzustöbern und mit Fokus auf Antisemitismus und die israelische Politik, die sie stark kritisiert, verständlich zu machen.