In Nora Osagiobares Debütroman entdeckt Rezensentin Nadine A. Brügger "ein Stück eidgenössische Gesellschaftskritik", das mit der Auflistung der Protagonisten und ihres jeweiligen Vermögens beginnt. Ziemlich schrill sind die Karikaturen, die Osagiobare vornimmt, und damit für Brügger umso treffender: Die Protagonistin Anneli erlebt eine sogenannte "Überschwängerung", das heißt, sie wird von zwei Männern gleichzeitig schwanger, eines der Kinder hat eine weiße Hautfarbe, das andere wird als "Cappucino" beschrieben. Hautfarbe spielt generell eine wichtige Rolle, erfahren wir, Rassisten sind zwar "abstrakte Fiuren mit Schwarz-Weiß-Neurosen", doch der schwarze Künstler Efe nimmt auch ihre Aufträge an, denn "auch Rassisten haben leere Wände", heißt es. Es gebe in der Satire sogar ein Bundesamt, das sich um Farbzuschreibungen kümmere, abgekürzt heiße es "BARACK." Brügger merkt dem Roman an, dass die Autorin beim Austüfteln dieser Überschreitungen großen Spaß gehabt haben muss, auch wenn der Anlass - die rassistische Schweiz, die sie selbst erlebt hat - ein bedrückender ist. An einigen Stellen hätte sich die Kritikerin noch mehr sprachlichen Tiefgang gewünscht, aber auch so verrät ihr der karikierende Stil viel über die Abgründe dieses Landes.