Rezensentin Christiane Schlötzer ist tief beeindruckt von Elif Shafaks bildgewaltigem neuen Roman "Am Himmel die Flüsse". Die türkisch-britische Autorin verfolgt darin, so Schlötzer, drei Erzählstränge, die am Ende zusammenfließen: Da ist der auf einem realen Vorbild beruhende Arthur Smyth, der im London der 1840er Jahre als hochbegabter Autodidakt die wiederentdeckten Keilschrifttafeln des jahrtausendealten Gilgamesch-Epos entziffert; da ist die neunjährige Jesidin Narin, die im heutigen Mossul die Schreckensherrschaft des Islamischen Staats überlebt; und da ist die nach England eingewanderte Hydrologin Zaleekhah, die fasziniert die strittige These verfolgt, Wasser habe ein Gedächtnis. Das verbindende Element der drei Geschichten ist laut der Rezensentin das auch im Titel enthaltene Wasser, und Shafak poetisiert Zaleekhas Idee, indem sie einen Erinnerungen aufspeichernden Wassertropfen mal im antiken Ninive (dem heutigen Mossul), mal in Smyth' London Gestalt annehmen lässt. Besonders begeistert ist Schlötzer von Shafaks übersprudelnder Freude am Erzählen und ihrer Fähigkeit, geschichtliche Fakten und Fiktion zu verknüpfen. Ihren reichhaltigen Roman kann die Rezensentin ohne Einschränkung empfehlen.