Mit "Sister Deborah" liest Rezensentin Dina Netz ostafrikanische Geschichte aus einer neuen Perspektive, nämlich aus der zweier schwarzer Frauen. Was Scholastique Mukasonga hier erzählt, ist zwar fiktiv, erklärt Netz, aber dennoch wahrhaftig. Denn alles hätte sich durchaus so zugetragen haben können, meint Löffler: Dass ein kränkliches Mädchen in einem medizinisch schlecht versorgten ruandischen Dorf zu einer schwarzen Heilerin gebracht wird, die sowohl weiße, katholische Missionare als auch schwarze Männer gegen sich aufbringt, in dem sie die Frauen dazu anstiftet, ihre Arbeit und die "eheliche Pflicht" zu verweigern. Und auch, dass diese Heilerin tatsächlich von Männern instrumentalisiert wurde, die sie zur Heilerin aufbauten und an ihr profitierten, bis sie es nicht mehr taten, dass dieselben Männer schließlich den Frauenaufstand niederschlagen, und die Heilerin bei einem "Unfall" umkommen lassen. Mukasonga erzählt davon gekonnt, herrlich trocken und sarkastisch, auch wenn der letzte Abschnitt des Buches etwas langatmig geraten ist, findet Netz. Eine Autorin mit einem wichtigen literarischen Programm, die es deutschsprachigen Raum noch zu entdecken gilt, so die überzeugte Rezensentin.