"vor welchen himmel spannt man sein zelt?" Die schönsten lyrischen Neuerscheinungen der letzten Monate
12. Juni 2025. "Es sind die Dichter, die die Landschaft / zu etwas Vertrautem machen. Eine Landschaft / ohne Dichter bleibt fremd", so wusste der schwedische Dichter Lars Gustafsson, dessen "Variationen über ein Thema von Silfverstolpe" nun auf Deutsch erschienen sind: Ein "großes Vermächtnis", lobt die FAZ. Ganz in diesem Sinne finden Sie hier eine aktuelle Auswahl der schönsten und interessantesten Neuerscheinungen aus der Welt der Lyrik: Märchenhaft geht es in Ines Berwigs neuen Gedichten zu, die die Kritiker durch ihren Spagat zwischen Mystik und Moderne überzeugten. In "zertanzte schuhe" führt die Lyrikerin in die Tiefen des Unbewussten wie in mystische Königsschlösser und lässt sich dabei etwa von Herta Müller, Paul Celan, aber auch von Dagobert Duck inspirieren. Colm Toibin ist als einer der großen irischen Romanautoren und Essayisten bekannt, nun hat er mit "Vinegar Hill" auch einen Gedichtband vorgelegt, in dem er sich der irischen Geschichte, aber auch ganz modernen Themen, wie der Corona-Pandemie oder queerer Liebe in Dublin widmet: NZZ-Kritiker Paul Jandl freut sich über diese Poesie voller Sarkasmus, Schönheit und subtilem Humor. Auch Nadja Küchenmeister fesselte die Kritiker mit ihrem Langgedicht "Der große Wagen", das in stringenter Komposition zwischen zwischen Berlin, Köln, Lissabon und Augenblicken der Kindheit oszilliert. Schließlich sei noch dringend auf Kim Hyesoons "Autobiografie des Todes" hingewiesen: Die wohl berühmteste südkoreanische Lyrikern verlieht hier jenen eine Stimme, die in der gewaltsamen Zeitgeschichte Koreas einen ungerechten Tod fanden - die FAZ sieht hier die fulminante Vollendung von Hyesoons "Poesie der Entgrenzung". Und ausgesuchte Lyrik-Empfehlungen finden Sie natürlich in Marie Luise Knotts Kolumne Tagtigall im Perlentaucher.