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Peter Handke Essays, Stücke und Romane des Literaturnobelpreisträgers 2019

Selten hat ein Nobelpreis eine so heftige Debatte ausgelöst wie der für Peter Handke. Seine Parteinahme für Serbien während der Jugoslawienkriege ist ihm doch noch nicht verziehen. Dennoch attestieren ihm die Kritiker, tatsächlich einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zu sein. Sein Werk hat einen schier unüberschaubaren Umfang: Seine frühen Titel, "Publikumsbeschimpfung" oder "Die Angst des Torwarts beim Elfmeterschießen" waren Meilensteine der Siebzigerjahre-Literatur, ihre Titel wurden zu geflügelten Worten. Seine späteren Essays und Erzählungen zielten eher in die Höhe als in die Breite und machten ihn zum bekennenden "Außenseiter der Innenwelt". Einige Vorschläge zur Lektüre von Thekla Dannenberg

Die "Obstdiebin" ist Peter Handke neuester Roman von 2016. Er folgt dem Streifzug einer jungen Frau durch die Picardie, auf der Suche nach dem Heiligen und dem Profanen. Der Kritiker der Zeit ließ sich bei der Lektüre entschleunigen, lauschte Grillenzirpen und Eulenruf. Dass Handke gewohntermaßen auf Handlung, Figurenpsychologie, Konflikt und Spannung pfeift, störte den Rezensenten angesichts der Poesie dieser Erzählung nicht. Eskapismus ist schließlich auch ein Menschenrecht, lernte er bei der Lektüre.

Vor allem an diesem 1996 erschienenen Buch hat sich der Streit um Peter Handke entzündet. Der darin enthaltene Essay "Eine Winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" ist sentimentale Erinnerung an den zerfallene Jugoslawien, aber auch eine wütende Attacke gegen die Nato und Verteidigung des Kriegsverbrechers Slobodan Milosevic.

"Mein Jahr in der Niemandsbucht" von 1994 ist zumindest vom Umfang her Handkes gewaltigster Roman. Auf mehr als tausend Seiten erzählt er vom bei Paris lebenden Schriftsteller Gregor Keuschnig und seiner Suche nach einem Platz in der Welt. "Handkes Werk steht in der Tradition jener Schreibweise, in der die Umwege das Ziel sind. Seit Laurence Sternes 'Tristram Shandy' (1759 bis 1767) sind das nicht die schlechtesten Bücher in der Literatur", lobte der Spiegel. Ein Buch über das Scheitern und Gelingen von Leben und Literatur.

"Wunschloses Unglück" von 1972 gehört zu den meistgeliebten Titel aus Handkes Werk. Handke erzählt darin vom Leben und Sterben seiner Mutter und von seinem Schreiben über diese Geschichte. Es war der Befreiungsschlag einer ganzen Lesergeneration. Die Realität war danach nur noch eine Folge der Fiktion. In der Zeit freute sich damals Marcel Reich-Ranicki, dass Handke auf alles Vage in der Beschreibung der Umwelt verzichtete und sehr konkret die enge Welt seiner Mutter beschrieb: "Während er die intellektuelle Dürftigkeit mancher seiner früheren Arbeiten mit Gags und auch mit Bluff zu tarnen und zu überspielen suchte, wird der Erzählung 'Wunschloses Unglück' niemand vorwerfen, sie lebe über ihre Verhältnisse."

Noch ein Handke-Titel, der zum geflügelten Wort wurde. "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" von 1970 ist eine kriminalistische Erzählung und der Klassiker der Siebzigerjahre-Literatur schlechthin. Ein Mann begibt sich in Wien auf die Suche nach der Frau, die er ermordet hat. Ein Krimi ist das Buch deshalb nicht, erklärte Horst-Dieter Ebert bei Erscheinen des Buchs 1970 im Spiegel: "Dieser Täter wird nicht von der Justiz gejagt, sondern verängstigt durch eine Welt, in der alle gewöhnlichen Beziehungen aufgelöst sind, alle alten Vertrautheiten plötzlich ungewöhnlich, in der alles völlig verändert ist, nichts wiederzuerkennen, wo, kurzum, die Umwelt zum Alpdruck wird."

Peter Handkes programmatische "Publikums-beschimpfung" von 1966 war der strahlende Beginn einer Schriftstellerkarriere. 1966 uraufgeführt in der Inszenierung von Claus Peymann am Frankfurter Theater am Turm und von Tumulten begleitet, machte dieses Stück über das Wesen der Sprache Handke zum Popstar des Feuilletons. Heute liest man das fast mit Rührung: "Ihr Miesmacher, ihr Nichtsnutze, ihr willenlosen Werkzeuge, ihr Auswürfe der Gesellschaft, ihr wart wie aus einem Guss, wir hatten heute einen guten Tag, wir waren wunderbar aufeinander eingespielt.“