Wärmstens empfiehlt Rezensent Andreas Platthaus den 1987 zum ersten Mal auf Deutsch erschienenen, nun neu aufgelegten Roman von José Rizal. Der philippinische Autor und Nationalheld erzählt darin, in "gespenstisch prophetischer" Vorwegnahme seines eigenen Schicksals, von dem nach langem Auslandsaufenthalt auf die spanisch besetzten Philippinen zurückkehrenden Unabhängigkeitsverfechter Don Chrisóstomo Ibarra, der dort als Verräter verfolgt wird, aber dem Tod entrinnen kann - anders als Rizal selbst: er wurde, als Reaktion wiederum auf seinen Roman, 1896 von den Spaniern hingerichtet, fasst Platthaus die bittere Ironie zusammen. Anders als vielleicht zu erwarten, gehe es im Roman auch nicht melodramatisch, sondern rasant sarkastisch zu: "groteske" Dialoge zwischen heuchlerischen Ordensleuten, böse Kommentare über Tote, eine Persiflage auf "Hamlet", fasst Platthaus beeindruckt zusammen - und überhaupt kann er kaum fassen, welchen Rundumschlag durch die gesamte westeuropäische Literatur (verschlungen beim Medizinstudium in Deutschland, Spanien, Frankreich, weiß Platthaus) der mehrsprachige Rizal hier raushaut. Ein literarisch-begnadetes, von Annemarie del Cueto-Mörth toll übersetztes Werk, das seinen Status als Nationalepos und die Aufmerksamkeit auf der Frankfurter Buchmesse mehr als verdient, freut sich der Kritiker.