Nicht durchweg, aber im Großen und Ganzen ist Rezensent Wolfgang Krischke einverstanden mit Wolfgang Kemps sprachkritischen Einlassungen. Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit dem exzessiven Gebrauch von Füllworten in politischen Podcasts. Das Phänomen selbst ist zwar, meint Krischke mit Blick auf Eckhard Henscheids "Trilogie des laufenden Schwachsinns", nicht neu, aber dennoch ist es instruktiv, wie Krischke die Verwendung von "so", "eher" und Ähnlichem in Onlinegesprächen untersucht. Konkret macht der Autor zwei Gruppen von Sprachunsinn ausfindig, die sogenannten "Weichmacher" ("irgendwie" usw) und das nur scheinbar diesen entgegengesetzte "Ultradeutsch" ("total" usw). Der Abgleich mit Fernsehgesprächsrunden der Vergangenheit zeigt, meint Krischke, dass man auch im Medium des gesprochenen Wortes anders, präziser formulieren kann. Auch der zweite Teil des Buches, der sich dem Gendern widmet, findet Krischkes Zuspruch, wenn der Autor eine Nähe zwischen geschlechtergerechter Sprache und Verwaltungsdeutsch feststellt, verkündet er zwar nichts Neues, richtig bleibt es gleichwohl. Weniger gut gefallen Kemp Passagen, die das Wortwirrwar poststruktureller Theorieproduktion zur Kenntlichkeit entstellen sollen, aber sich kaum weniger anstrengend lesen als die Originale. Insgesamt jedoch kann Kemp einiges anfangen mit dieser spannenden Streitschrift wider den zeitgenössischen Sprachschrott.