Rezensentin Birgit Schönau reist nach Penne, eine Kleinstadt in den Abbruzzen, um Donatella Di Pietrantonio in ihrer Zahnarztpraxis aufzusuchen. Ganz nebenbei ist Pietrantonio nämlich auch noch Italiens populärste Gegenwartsautorin, ausgezeichnet mit dem Premio Strega. Bei Kaffee und Kuchen wird über das Aufwachsen in der italienischen Provinz in den Sechzigern ebenso geplaudert wie über die Rolle der Frau unter der Meloni-Regierung, aber wir erfahren auch einiges über den neuen Roman, den die Kritikerin hymnisch bespricht: Pietrantonio schickt ihre Heldin, eine Ich-Erzählerin, in ihr Heimatdorf in den Abbruzzen, wo diese sich auf die Spuren eines wahren Falls begibt, bei dem ein junger nordmazedonischer Hirte im Jahr 1997 zwei Frauen ermordete und nur verurteilt werden konnte, weil eine Dritte überlebte und eine Zeugenaussage machen konnte. Vor allem aber geht es um fragile Familienbeziehungen in der "klaustrophobischen Enge" der Provinz und um Frauen, die sich in einer konservativen Männerwelt behaupten, resümiert Schönau. Davon erzählt Pietrantonio so präzise und klar, dass schließlich nur noch eine "hochkonzentrierte Essenz" übrigbleibt, staunt die Rezensentin. Dass die Autorin in ihrem autobiografisch geprägten Roman auf Figurenanalyse und Soziologie zugunsten von Warmherzigkeit und Einfühlungsvermögen verzichtet, gefällt Schönau außerdem.