Es ist kein Zufall, dass das Theater seine Zähne verloren hat, seine Harmlosigkeit, insbesondere die des postmodernen Theaters, das sich mit Vorliebe in Paradoxien suhlt, lässt sich direkt mit den Anforderungen des neoliberalen Kapitalismus in Verbindung bringen, so könnte man die zentrale These von Bernd Stegemanns "Kritik des Theaters" beschreiben, meint Peter Michalzik. Die Schauspieler wurden von der Performance abgeschafft, und das Theater übt sich in der "hohen Schule der Selbstreferenz", deren ausdrücklicher Selbstbezug wie maßgeschneidert für den isoliert-individuellen Menschen im Kapitalismus erscheint, die Ästhetik von heute ist Ausdruck einer "knechtischen Authentizität", erklärt der Rezensent. Schön wäre nur gewesen, wenn Stegemann den Blick einmal aus der Nische des postmodernen Theaters gehoben hätte und den Rest der gegenwärtigen Kulturproduktion wenigstens auszugsweise einbezogen hätte, findet Michalzik, er hätte seine These auch dort bestätigt gefunden, ist sich der Rezensent sicher.