Einigermaßen beeindruckt hat Rezensent Felix Philipp Ingold die Vorträge des polnisch-französischen Malers und Publizisten Joseph Czapski über Prousts berühmten Roman über die Suche nach der verlorenen Zeit gelesen, die während seiner Internierung im sowjetischen Straflager Grjasowez entstanden sind. Czapski habe zu einer Gruppe von inhaftierten Intellektuellen und Künstlern gehört, berichtet Ingold, die in einem intellektuellen Zirkel versucht hätten, dem Schrecken mit Kulturproduktion zu begegnen. Das Proust-Buch, Ingolds Informationen zufolge in einem russischen Schulheft auf Polnisch konzipiert und mit Buntstiften schematisch aufgezeichnet, ist vor zwanzig Jahren zuerst im Original publiziert worden. Zwar erfahre man wenig Neues über Proust, schreibt der Rezensent, dafür aber viel über die rettende Kraft, die Kultur dem Schrecken abzuringen verstehe. Beeindruckt ist er auch von der Gedächtnisleistung Czapskis, der ohne Referenzbibliothek habe auskommen müssen. Besonders die Dialektik, die aus Prousts Detailschärfe bei der Beschreibung von Interieurs und Landschaften und ihrer Rekonstruktion durch das Gedächtnis Czapskis entsteht, fasziniert ihn sehr. Aber auch die "unangestrengte Treffsicherheit" bei seinen Abschweifungen zu anderen Autoren.