"Selten war weniger Plausibilität zwischen zwei Buchdeckeln" konstatiert Steffen Richter nach der Lektüre des neu aufgelegten Fantomas-Romans "Ein Zug verschwindet" von Pierre Souvestre und Marcel Allain. Ganz klar pulp fiction, billige Groschenromane sind für Richter die Fantomas-Geschichten der beiden französischen Schnellschreiber, deren literarische Produktionsquote er rein quantitativ allerdings bewundert. Schlecht, aber exemplarisch ist nach Richter der "Herr des Schreckens" für die ästhetischen Experimente der fortschrittsbegeisterten Frühmoderne. Schnell, unheimlich und gewalttätig ist nicht nur die Welt von Fantomas, was für Richter auch seine trashige ewige Wiederkehr garantiert. Fasziniert ist Richter letztlich allein von der Überlebensfähigkeit dieses Gespensts der Massenkultur.