Ein "feministischen (Horror-)Roman" über die Anfänge der Gynäkologie bekommt Rezensentin Sylvia Staude von Joyce Carol Oates vorgelegt. Oates verschmilzt im Buch den amerikanischen Arzt J. Marion Sims und den "Vater der Nervenheilkunde" Silas Weir Mitchell zu einer Figur. Zwar gelangen Sims einige Fortschritte in der Gynäkologie, diese waren jedoch auf seine erbarmungslosen Experimente an Sklavinnen zurückzuführen, so Staude, und auch Mitchell sowie der Psychologe Henry Cotton, dessen fürchterliches Wirken auch in die Handlung miteinfließt, schreckten vor kaum einer Grausamkeit zurück, so Staude. Das Buch setzt sich nun zusammen aus Silas Aloysius Weirs fiktiver "Chronik eines Arztlebens" und den Erinnerungen zweier Frauen an ihn. Dieser Weir ist kein abgrundtiefes Scheusal, so die Kritikerin, sondern ein "unsicherer, autoritätshöriger Mensch", der die frauenverachtenden Praktiken der Zeit nicht hinterfragt, und nach dem (mysteriösen) Tod seines Vaters die Leitung einer Nervenheilanstalt übernimmt. Oates schont die Leserschaft nicht, wenn sie auf drastische Weise Amputationen, Gestank, Gewalt und die vielfältigen Formen des psychologischen Missbrauchs schildert, denen sich die überwiegend schwarzen und irischen Frauen in den Anstalten ausgesetzt sahen und denen Oates hier ein Denkmal setzt. Nichts für schwache Nerven, so Staude, und das Schlimme ist, dass Oates ja gar nichts dazuerfinden musste, um diese Drastik zu erreichen.