Susanne Mayer würde dieses Buch am liebsten in jedem dieser Entbindungsstation-Tütchen mit "Penaten-Pröbchen" etc. sehen, die Eltern nach der Geburt eines Kindes überreicht werden - auch wenn sie einräumt, dass der Band auch Skandal-Potenzial in sich birgt. Denn dieses Buch beschreibt, so Mayer, einen Kanon. Einen Kanon für Siebenjährige? Zunächst zeigt sich Mayer erstaunt darüber, was kleine Kinder nach Elschenbroichs Ansicht alles schon einmal getan haben sollten: Etwa ein Lied in einer fremden Sprache kennen, etwas repariert haben, vier Vogelstimmen unterscheiden können oder ein Selbstporträt gemalt haben. Doch Mayer ist erleichtert, dass es der Autorin nicht um das schematische Erfüllen dieses Kanons geht, sondern um mehr: Um das Fördern der ohnehin überschäumenden kindlichen Entdeckerfreude, die nicht durch tristes Vorsichhinspielen in "Ermattung, Enttäuschung, Resignation" kippen darf. Aufschlussreich findet Mayer dabei auch den Vergleich mit anderen Länder, etwa Japan, Italien oder Ungarn, wo kleine Kinder sehr viel mehr musikalische oder künstlerische Angebote auf sehr hohem - und dabei kreativem -Niveau nutzen können. Darüber hinaus kommen, wie Mayer lobend anmerkt, in diesem Band verschiedene Personen zu Wort, die familiär oder beruflich mit Kleinkindern zu tun haben und ihre Ansichten zum Bildungshunger der Kleinen und seiner Erfüllung beitragen. Insgesamt geht es nach Mayer jedoch in diesem Buch nicht um belehrende Ratschläge, sondern - wie sie lobend anmerkt - um ein "Fragen, vortasten, (...) den Horizont umkreisen".