Das Buch ist dick, mitunter erschlagend und "ordentlich bis zur Öde", gesteht Marie Theres Fögen. Ralph-Johannes Lilie hat einen Wälzer zur tausendjährigen Geschichte des byzantinischen Reichs vorgelegt, der ganz in der Tradition der positivistischen Historiografie stehe. Hier zähle die politische Geschichte, hier zählten die beiden "Ks" - Könige und Kriege -, hier zählten die "tatsächlichen Realitäten". Die Rezensentin zeigt sich weder begeistert noch überzeugt von dieser neoplastischen Form der traditionellen Geschichtsschreibung; als hätte der Autor noch nie davon gehört, dass die Historiker darüber streiten, ob die historische Forschung eher eine Kultur-, eine Sozial- oder eine anthropologische Wissenschaft sei, ob es "eine narrative Kunst oder eine Konstruktion unserer Gehirne darstelle". Zumindest zeigt sich der Autor von dieser Diskussion unberührt, seine hypothetischen Überlegungen zur Sozialgeschichte oder zur Ökonomie oder Kultur bringt er in vier kleineren Kapiteln unter, wie die Rezensentin erklärt. Ansonsten habe er sich auf dem Buchmarkt dort plaziert, wo er einen recht sicheren Platz einnehmen wird, meint Fögen: Abnehmer für solche Genealogien von Kaisern und Kriegen gebe es immer - vorausgesetzt, man interessiert sich für Byzanz.