Für Marie Luise Knott ist der jüngste Roman von Aharon Appelfeld, der heute seinen achtzigsten Geburtstag feiert, sein "schönster, sanftester" und sie preist in ihrer eingehenden Kritik zudem seine Aktualität. Der Autor schreibt wie schon in seinen früheren Büchern eng an der eigenen Lebensgeschichte entlang, erklärt die Rezensentin. Im vorliegenden Roman steht der in Czernowitz geborene 16-jährige Erwin im Mittelpunkt, der als Kind aus einem Nazilager flüchtet, zunächst nach Italien gelangt und schließlich nach Palästina auswandert, was sich mit der Lebensgeschichte des Autors deckt, wie Knott betont. Der sich ständig in den Schlaf flüchtende Held wird von den Stimmen der Vergangenheit, seinen ermordeten Verwandten, seinen Wegbegleitern und Freunden, überflutet, die mit ihm "hadern" oder ihn ermutigen, schreibt die Rezensentin, die dennoch betont, dass bei Appelfeld "Erzählen kein Erinnern" ist. So kann man in der von Knott besonders gelobten Übersetzung von Miriam Pressler nicht nur die Genese des Schriftstellers in diesem Roman nachvollziehen. Appelfeld fragt danach, ob man die Vergangenheit mit einem Neuanfang einfach "abstreifen" kann, und sucht nach der Möglichkeit mit dem Erzählen das "Versprengte zu bergen", so Knott beeindruckt, die dieses Projekt im Roman geglückt sieht.