Die Wirklichkeit war schlimmer. Soviel weiß Friederike Reents über das Leben des ungeliebten Thomas-Mann-Sohnes Michael. Die Lektüre des Romans von Michael Degen verhilft ihr dennoch zu Einsichten, die allein die Lektüre der Tagebücher Thomas Manns nicht hergeben. Vielleicht gerade deswegen, weil sich der Autor um die Frage nach Dichtung und Wahrheit nicht schert, wie Reents feststellt, und sich häufig genug auf seine Vorstellungskraft verlässt. Nach anfänglichen stilistischen Unsicherheiten kommt das Buch zu einer tiefenpsychologischen Finesse, die die Rezensentin die Qualen eines lebenslänglich Annerkennungslosen unaufdringlich nachvollziehen lassen.