Die deutschen Leser, zitiert Nicole Henneberg den ungarischen Schriftsteller Peter Esterhazy aus seinem Nachwort, hätten zunächst Sandor Marai und Antal Szerb kennen- und schätzen gelernt, was insofern bedauerlich sei, als diese Bekanntschaft eigentlich in umgekehrter Reihenfolge hätte stattfinden sollen, da sich alle Literatur in Ungarn auf Dezsö Kosztolanyi bezöge. Er sei eindeutig der modernere und wegweisendere Autor gewesen, da er sich programmatisch zur Moderne bekannt und dieser verpflichtet gefühlt habe. Die nun veröffentlichten Erzählungen oder Novellen stammen aus den Jahren 1925 bis 1933, die Übersetzerin habe sie in eine chronologische Reihenfolge gebracht und im übrigen auch gute Arbeit geleistet, fügt Henneberg hinzu. Kornel ist das Alter Ego des Autors, erzählt die Rezensentin, ein dunkler Wiedergänger, der im Stil klassischer Schauer- und Gespenstergeschichten sein Unwesen in den Erzählungen treibt und erst im Laufe der Erzählungen zu einer (Autoren)Persönlichkeit und einem melancholischen Zyniker heranreift, der das Budapest der 20er Jahre unter die Lupe nimmt. Aus Kornel wird Esti, erklärt Henneberg, doch auch Esti lasse sich im Zweifelsfall lieber von der Libido als von der Moral treiben, weshalb er sich zwar von einem Schnorrer ewig terrorisieren lasse, sich aber dessen dann in Nullkommanichts entledige, als dieser plötzlich anfange, schlechte Gedichte zu schreiben.