Die dunklen Ecken des Digitalen sind ein Feld, das noch längst nicht zur Gänze beackert ist, glaubt Rezensentin Lynn Hruschka. Doch um hier reife Gesellschaftssatire ernten zu können, muss man sich auch darin auskennen. Tony Tulathimutte besitzt als Autor, der "chronically online" ist, nicht nur die nötige Expertise, er ist auch ein Schriftsteller von echtem Format, erkennt Hruschka. Was ihn auszeichnet ist nicht nur seine literarische Radikalität, sein trockener Stil, sein düsterer Humor, die unerbittliche Präzision, mit der er das Leid seiner Figuren seziert, sondern auch die Gewissenhaftigkeit, mit der er jenes Leid behandelt, lesen wir. In den sieben Erzählungen von "Fiasko" beschreibt er immer wieder die Folgen der Angst vor dem Verlust von Anerkennung, wie diese Angst erst in den Selbsthass und schließlich zur Gewalt führen kann. Und er tut dies mit so viel Verständnis, so viel Empathie für seine Figuren, dass die Haltung des Autors in den Hintergrund tritt. Kein Wunder, dass in den USA bereits heftig darüber spekuliert wird. Ein bitter-komisches, ein verstörendes Buch, ein Buch, das aufwühlt im besten Sinne, so die Rezensentin.