Einen fabelhaften Coming-of-Age-Roman - und mehr als das - hat Sandro Veronesi geschrieben, jubelt Rezensent Gustav Seibt. Perfekt trifft Veronesi die Stimmung zum Zeitpunkt der Handlung im Jahr 1972 in der italienischen Kleinstadt Vinci, wo die Hauptfigur Luigi Bellandi aufwächst. Luigi ist zwölf und zum ersten Mal richtig verliebt, viel Zeit lässt sich der Roman mit dieser zärtlichen Romanze: "Alles atmet Frieden, Sorglosigkeit, stabile Alltäglichkeit." Dann allerdings bricht nicht nur das Olympia-Attentat in München, parallel erzählt, in die Handlung ein, auch die unschuldige Liebesgeschichte kehrt sich ins Düstere, ja krimi-mäßige. Ein paar zu viele dunkle Vorausdeutungen macht der Kritiker aus, das hätte es gar nicht gebraucht, tut der Faszination für das Buch aber keinen Abbruch: Seibt stellt einen Vergleich mit Giorgio Bassanis Klassiker "Hinter der Tür" an, in dem die unschuldige Welt der Jugend auf ähnliche Weise zusammenbricht. Veronesi beherrscht jedenfalls alle Register, manchmal bremst er die Handlung herunter, manchmal nimmt sie rasant Fahrt auf, intime Passagen treffen auf kluge Gesellschaftsbeobachtung - und dann wurde das alles auch noch, endet die ausgesprochen positive Besprechung, von der Übersetzerin Karin Krieger perfekt ins Deutsche übertragen.