Rezensentin Sonja Hartl ist sehr beeindruckt von diesem subversiven Krimi-Debütroman der irischen Autorin Louise Hegarty. Die Ausgangslage folgt klassischen Genre-Konventionen: In einem irischen Landhaus feiert Abigail mit einer Gruppe von Freundinnen das neue Jahr und gleichzeitig den bevorstehenden Geburtstag ihres Bruders Benjamin, der dann jedoch am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, lässt uns Hartl wissen. Nun hat die Autorin das Folgegeschehen in zwei Erzählebenen aufgeteilt: Einerseits ermittelt Detektiv August Bell, um die Ursache des Todes herauszufinden, andererseits werden aus Abigails Sicht die Konsequenzen des Todes erzählt, die einsetzende Trauer, das Planen der Beerdigung. Der gelungene Kniff besteht darin, dass die der rigiden Struktur der sogenannten "Fair Play"-Regeln - nach denen etwa der Detektiv nie der Mörder sein kann - folgende Bell-Geschichte der Imagination Abigails entspringt, um den Tod ihres Bruders verarbeiten zu können, erwähnt die Kritikerin lobend. Dadurch wird die Leere, die nach dem Tod einer geliebten Person einsetzt, clever mit dem auf eine befriedigende Lösung hinzielenden Krimi kontrastiert, freut sich Hartl. Auch wenn die referenzreichen Krimi-Passagen in ihren stilistischen Imitationen zahlreicher, bekannter AutorInnen des Genres etwas langatmig werden können, liefert die Autorin hiermit einen eindrücklichen Text über den Umgang mit dem Tod, schließt die Rezensentin.