Pudelwohl fühlt sich Rezensent Edo Reents in Sven Regeners neuem Roman, dem siebten der Herr-Lehmann-Reihe und der fünfte der Reihe, der sich ganz dem Schauplatz Berlin widmet, in diesem Fall fast schon kartographisch, Straße für Straße. Die Handlung spielt an einem einzigen Tag, dem 23.12.1980, einem Dienstag. Wobei, echte Handlung gibt es kaum, Frank "Frankie" Lehmann will seinen Bruder Manfred "Freddie" Lehmann am Kurfürstendamm abholen und Gerät dabei in allerlei Schwierigkeiten, unter anderem weil erstmal kein Auto vorhanden ist. Viel mehr passiert nicht, wobei es schon auch noch die Andeutung einer Liebesgeschichte gibt und nach einer verschwundenen Bewerbungsmappe gesucht wird. Jede Menge bekannte Figuren aus älteren Lehmann-Büchern tauchen auf, allesamt gehören sie der Westberliner Künstler-Bohème an. Auch Regeners Technik, die Welt des Romans in erster Linie über Dialoge hervorzubringen, kennt Reents bereits, auch hier ist das wieder ganz große polyphone Sprechkunst, was der Roman aufführt. Was zeichnet den Roman dann besonders aus? Unter anderem, meint Reents, dass hier ziemlich illusionslos über Berlin gesprochen wird, und zwar letztlich aus einer Position der bedrängten politischen Mitte, was den Rezensenten an unsere Gegenwart erinnert. "Dickens-Niveau" hat das alles, schließt die ziemlich euphorische Besprechung.