So muss er wohl sein, der neapolitanische Mann, Kind seiner Stadt, der Frauen, gewitzt, urkommunistisch, mörderisch. Denkt sich Rezensent Gustav Seibt und vertraut dabei ganz auf Erri de Luca und dessen erzählerisches, motivisches Geschick, das hier durch artifizielle Archaik knapp am Kitsch vorbeischlittert, wie wir aufatmend erfahren. Die gewählte Form der Legende mit dem Ziel der Mannwerdung findet Seibt passend, so einfach wie wunderbar. Der kindliche Held erzählt (geschickt bis ingeniös übersetzt von Annette Kopetzki, findet Seibt) von der Überwältigung der deutschen Truppen durch die anlandenden Alliierten und die geknechtete Bevölkerung und gleich die ganze Geschichte der Stadt Neapel mit, bildhaft chronikalisch unter Verzicht auf Psychologie, die der Rezensent auch nicht zu vermissen scheint. Vergleichbares in der deutschen Literatur? Hermlins "Abendlicht", sagt Seibt. (Nur dass de Luca im Gegensatz zu Hermlin einen Roman und keine Autobiografie geschrieben hat, nicht mal eine erfundene.)