Einen starken Kriminalroman legt Lilia Hassaine hier vor, findet Rezensent Hannes Hintermeier. Das Buch entwirft die Zukunftsvision einer Gesellschaft, die ganz im Zeichen der Transparenz steht - Transparenz im Sinne von sozialer Kontrolle, stellt Hintermeier klar, Privatsphäre gibt es nicht mehr, stattdessen geben Moralismus und ein striktes Achtsamkeits-Diktat den Ton an. Gewaltverbrechen soll es in dieser entlang von social-media-Bubbles strukturierten Welt gar nicht mehr geben, es verschwindet dann aber doch eine dreiköpfige Familie, die sogenannte Sicherheitsbeauftragte Hélène Dubern und ihr Kollege Nico stehen vor einem Rätsel. Das alles, freut sich Hintermeier, ist in einem sachlichen Tonfall geschrieben und hat einen guten drive, schön ist zum Beispiel, wie undurchsichtig die Hauptfigur bleibt, auch sonst wird das Geschehen immer rätselhafter. Insgesamt liest Hintermeier ein spannendes Buch, das einen faszinierenden Weltentwurf vorstellt.