Statt die Arbeit an seinem dritten großen Europa-Roman aufzunehmen, hat der Wiener Autor Robert Menasse entschieden, sich und seinen Protagonisten vorerst ins Private zurückzuziehen, sich den existenziellen Fragen zuzuwenden und einer neuen, reduzierteren Form: Der Novelle. Rezensent Josef Kelnberger folgt ihm mit Vergnügen. Franz Fiala heißt dieser Protagonist in Anspielung auf Franz Werfels "Der Tod eines Kleinbürgers". Seine Karriere als EU-Beamter und überzeugter Verfechter der europäischen Einigungsidee endet 2024 in großer Enttäuschung angesichts der scheiternden Umweltpolitik der EU und im Rückzug aus der Politik, in die Frührente. Mit dem politisches Tagesgeschehen, mit den "Brüsseler EU-Menschen", will er nichts mehr zu tun haben, lesen wir, stattdessen möchte er Zeit mit seiner sterbenden Mutter verbringen. Dieser Plan jedoch wird gestört durch seine eigene Diagnose, mit der, wie in Werfels Geschichte, ein Wettlauf beginnt: Fiala legt nun alles daran, seine Mutter zu überleben. Menasse erzählt davon anspielungsreich, voller Empathie, leichtfüßig und angenehm unpathetisch. Und um die EU, ihr Dahinsiechen, geht es am Ende dann doch irgendwie, zumindest in der Lesart des Rezensenten, der sich schon auf den nächsten, den dritten großen EU-Roman freut, an dem der Autor nach eigener Aussage, nun aber wirklich zu arbeiten beginnen wird.