Rezensent Andreas Kilb hat nicht viel Freude mit dem neuen Kehlmann. Der spielt während der Kongokonferenz 1884/85 in Berlin, auf der de facto Afrika unter den europäischen Kolonialmächten aufgeteilt wurde. Kehlmann stellt jedoch keinen wichtigen historischen Akteur ins Zentrum, sondern eine fiktionale Randfigur: Gustav Strinetzky arbeitet für die österreichische Botschaft und bewegt sich sicher übers diplomatische Parkett, ist aber die meiste Zeit mit privaten Angelegenheiten wie einer Liebschaft und einer Duellforderung beschäftigt. Nur kurz verknüpft sich Strinetzkys Geschichte mit der großen Weltpolitik - tatsächlich, so Kilb, ist das Buch stärker in kleinen ornamentalen Details als bei der Darstellung der politischen Machtspiele, deren Aufarbeitung ihn eher an dröge Fernsehdramaturgie erinnert. Jedenfalls will das Buch einfach nicht so recht in Schwung kommen, ärgert sich der Rezensent: "Das historische Unheil geschieht, aber wir sehen es nur ganz von fern."