Dem neuen Roman von Eva Menasse muss Rezensentin Judith von Sternburg erstmal ein wenig Vorschussvertrauen entgegenbringen, klingt doch ein Roman über ein Landhaus und dessen Instandsetzung zunächst nicht allzu spannend. Es lohnt sich aber, versichert sie: Die Erzählerin erinnert stark an die Autorin, sie hat ein Haus in Vorpommern gekauft, in bester Lage, aber nicht unbedingt im besten, beziehungsweise freundlichsten Ort. "Vogelsang" heißt das Dorf, ein älterer Ex-Stasi-Mann heißt sie willkommen, die restlichen Nachbarn sind abweisend: Die Erzählerin nennt sie in Anlehnung an die französische Komödie die Sch'tis, lesen wir. Sternburg lernt Dorfbewohner kennen, die nach der Wende die schönsten Datschen in bester Seelage ergatterten und jetzt alles verkommen lassen, aber auch Alla und Bolek, zwei patente Hausangestellte aus Moldawien beziehungsweise Polen, die sich gegen die "Sch'tis" zur Wehr setzen. Immer wieder wechselt Menasse die Zeitebenen oder lässt verschiedene Erinnerungen ineinanderfließen, bemerkt die Kritikerin. Einiges deutet sie dabei nur an: Gerade in den Kindheitsmomenten, in denen die konfliktreiche Beziehung der Eltern zum peinlich geizigen, sehr plastisch geschilderten Onkel Walter und zur Tante Hupfi erklärt werden, steckt bestimmt noch Stoff für mehrere Romane, glaubt Sternburg. Andere eingestreute Anekdoten, etwa über einen ausgerissenen Jungen, der seine Mutter sucht, erreichen "immer mindestens Meistererzählungsniveau", wie die zufriedene Rezensentin schließt.