In Tana Frenchs Kriminalromanen spielen polizeiliche Ermittlung eine immer kleinere Rolle, beobachtet Rezensentin Sylvia Staude, immer wichtiger werden dafür die feinen psychologischen Einsichten, die sie über Menschen und Beziehungen gewinnt. So ist es auch in dem neuen Buch, das wieder in dem fiktiven Dorf Ardnakelty in Irland spielt, in dem der Lauf der Zeit die komplexen sozialen Hierarchien zementiert hat. Im Zentrum steht Cal Hooper, der mal ein amerikanischer Polizist war und eigentlich hier Ruhe haben wollte, verrät Staude, stattdessen hat er Stress mit seiner Langzeitverlobten. Dazu kommt ein rätselhafter Todesfall: Eine junge Frau ist an einer Vergiftung mit Frostschutzmittel gestorben, nachdem sie sich mit ihrem Freund aussöhnen wollte - war es Mord oder Suizid? Staude lobt Frenchs Kunst, "Atmosphäre zu erzeugen"; hier wird über die dubiosen Pläne des Großbauern Moynihan geraunt, über die Ermittlungen, über Beziehungen, wenn man sich im Pub zusammensetzt. Der Roman hat "keine einfachen Antworten" bereit, schließt Staude, ist aber höchst lesenswert.