Rezensent Ijoma Mangold ist erstaunt, in diesem Roman fast sowas wie ein Happy End zu lesen - eine Liebe mit glücklichem Ausgang gibt es ja selten in der anspruchsvollen Literatur: Thomas Hettche schreibt über Max und Anna, die bereits in der zweiten Lebenshälfte sind, als sie sich kennen- und lieben lernen. Sie treffen sich auf einer Feier an der Ostsee, weil sie zufällig im Dunkeln in zwei nebeneinander stehenden Liegestühlen sitzen und sich unterhalten, ohne sich zu sehen, wie Mangold schildert. Anna ist eigentlich verheiratet, verlässt ihren Mann aber nach langem Zögern für Max und geht mit ihm eine Beziehung ein. Etwas konventionell ist der Roman da geraten, wo es um die körperliche Liebe geht, so der Kritiker, "stark" ist er hingegen, wenn es um die Endlichkeit geht, die für beide in ihrem Alter schon eine andere Präsenz einnimmt. Mangold überzeugt die Innigkeit der Liebe, die Hettche hier im Corona-Zeitalter ansiedelt. Auf die Frage, was Liebe eigentlich ist, gibt der Autor keine Antwort, trotz großer "psychologischer Genauigkeit". Aber ein Roman, der darauf eine Antwort hätte, wäre vermutlich auch viel weniger gut als dieser hier, sinniert der überzeugte Kritiker.