Harald Fricke findet die Betrachtungen des Münchener Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich über den Zusammenhang zwischen Kunst und Politik hochinteressant. Zwei Dutzend Beispiele hat Ullrich gefunden, in denen sich Politiker und Wirtschaftsbosse vor Werken zeitgenössischer Künstler ablichten ließen - um damit ein Image kultureller Distinktion zu transportieren. Damit zeige Ullrich, wie sich das Bild des Herrschers für die Öffentlichkeit verändert habe. Insignie der Macht sei heute nicht mehr das "Selbstporträt hoch zu Ross" mit Telefon und Firmenlogo, sondern der gute Geschmack, zur Schau gestellt im Blick auf eben jene Kunstwerke, vor denen sich die Mächtigen von Heute gerne auf Fotopapier verewigen lassen. Geschickt leite Ullrich eine Blickhierarchie aus der Rezeptionsgeschichte zeitgenössischer Kunst ab: Je geringer das Verständnis des Publikums für Bilder, umso nachhaltiger die Bewunderung für diejenigen, die sich zum Fototermin vor diesen Bildern zeigten. Ullrich führe mit seiner Untersuchung fort, was Pierre Bourdieu in "Die feinen Unterschiede" begonnen habe. Alles werde kulturell gedeutet und Stilsicherheit suggeriere Entscheidungswillen.