"Aus dem Archipel Familie gibt es kein Entkommen", liest Rezensent Yannic Walter bei Sara Mesa, die wiederum schon von Friedrich Engels weiß, dass sich in der Familie die patriarchale, autoritäre, bisweilen diktatorische Gesellschaft und ihre Umgangsformen im Kleinen spiegeln. Die Spanierin erzähle perspektivenreich von einer Familie mit insgesamt vier Kindern, der Vater sei Anwalt, sie leben in einer bescheidenen, aber ganz netten Wohnung. Doch sobald er nach Hause kommt, erklärt Walter, fordert Vater Damián Gehorsam und Unterwerfung: Geheimnisse oder gar einen eigenen Schlüssel zur Wohnung zu haben, wird für die Kinder und insbesondere die beiden Töchter unvorstellbar - patriarchales Kontrollbedürfnis sind Dreh- und Angelpunkt von Damiáns Handeln. Mesa erzählt mit Vor- und Rückblicken, die nicht unbedingt wie ein klassischer Roman zusammengesetzt sind, sondern eher wie eine Kurzgeschichtensammlung, die im Mosaik-Modus ein sehr präzises "Röntgenbild einer Familie" entstehen lässt, schließt der angetane Kritiker.