Die Erkenntnis, dass die europäische Architekturmoderne ihre Fundamente außerhalb Europas hat, verdankt Robert Kaltenbrunner diesem Buch von Sascha Rösler, das der Rezensent als gewichtigen Beitrag zur Anthropologie der Architektur bezeichnet. Gewichtig erscheint Kaltenbrunner das Projekt, die großen Signature Buildings von Gehry oder Koolhaas mit den Bauten in den zentralafrikanischen Slums zu vergleichen und dieses Spannungsfeld mit Hilfe von Gottfried Sempers Stoffwechseltheorie zu beleuchten, als Bewegung zwischen Materialität und Immaterialität. Dass der Autor dabei durchaus nach seinem subjektiven Erkenntnisinteresse verfährt und Zeiten und Gestalten handhabt und auch manch gestelzte Formulierung wagt, kann Kaltenbrunner verschmerzen.